PRESSESTIMMEN

Steinmetz schneidet Kreise

PETRIKIRCHE Mit der Gestaltung des Beton-Fußbodens geht der Bau des neuen "Zentrums Taufe" in die Endphase. Ringe symbolisieren Wasserfläche mit Wellen.

von Jörg Müller; Mitteldeutsche Zeitung, 28.12.2011

EISLEBEN/MZ. "Da sollte man eine ruhige Hand haben", sagt Holger Karnahl. Der Steinmetz von der Weimarer Firma Preuße & Rätsch hat derzeit in der St. Petri-Pauli-Kirche eine diffizile Aufgabe: Er gestaltet den neuen Beton-Fußboden mit den von den Architekten entworfenen Ornamenten. Dabei handelt es sich um zahlreiche Kreise mit jeweils ein und demselben Mittelpunkt ("konzentrisch"). Der Fußboden wird so zu einer symbolischen Wasserfläche, auf der sich Wellen ausbreiten.

Die zuvor angezeichneten Kreise schneidet Karnahl mit einem speziellen Werkzeug, einem Diamant-Dremel, in den fein abgeschliffenen Beton-Boden. Und dabei ist eben die ruhige Hand gefragt, denn "was einmal falsch geschnitten ist, lässt sich später nicht mehr reparieren", so der Steinmetz. "Das ist schon ein sehr ungewöhnliches Projekt, so etwas habe ich bisher noch nicht gemacht." Nach dem Schneiden der Kreise wird jeder zweite Ring gestrahlt und erhält dadurch eine etwas dunklere und rauere Oberfläche. Eine Herausforderung bei der Gestaltung des Fußbodens besteht auch darin, dass es mehrere Kreis-Mittelpunkte gibt, von denen sich die "Wasserwellen" ausbreiten, die sich dabei natürlich auch treffen und ineinander laufen werden. Vorstellbar ist dies wie Tropfen, die an verschiedenen Stellen von der Kirchendecke fallen. "Die Mittelpunkte befinden sich unter der Luther-Rose, unter dem Taufbecken und unter der Taufkapelle; der vierte liegt außerhalb der Kirche im Chorbereich", sagt Karnahl. Auch die neue Rampe am Eingang der Kirche wird mit den Kreisen gestaltet.

Mit den Arbeiten am Fußboden, die voraussichtlich bis Ende Januar dauern werden, geht der Bau des "Zentrums Taufe" in die Endphase. Einer der letzten - und auch wichtigsten - Punkte wird der Einbau des großen Taufbeckens sein. "Wir liegen voll im Zeitplan", sagt Iris Hellmich, Pfarrerin der St. Andreas-Nicolai-Petri-Gemeinde.

Geplanter Termin für die Fertigstellung des Zentrums ist Ende Februar; zwei Monate später soll die Einweihung gefeiert werden. Derzeit laufen vor allem noch Installationsarbeiten; die neue Fußbodenheizung funktioniert bereits bestens. "Wir haben jetzt noch die Konservierung und Restaurierung des Altars ausgeschrieben", so Pfarrerin Hellmich. "Da muss einiges gemacht werden." Der Altar wird einen neuen Unterbau erhalten, in den auch zwei ältere Sandstein-Platten integriert werden. Auch das neue Mobiliar aus verschiedenen Obstholz-Arten ist bereits eingelagert.

Pfarrerin Hellmich, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Simone Carstens-Kant betreut, freut sich, dass der Bau nun vor dem Abschluss steht. Und schon jetzt biete die Kirche einen überwältigenden Eindruck: "Ich bin einfach begeistert", so Hellmich.